Der tägliche Konflikt


Täglich tragen wir Alle einen Konflikt aus auch du Reader.

Diesen Konflikt führen wir sowohl in uns, als auch mit wortwörtlich allen anderen Menschen und das immer. Es gewinnt nie eine Seite, doch wenn wir es schaffen eine für uns gute Abmachung zu treffen, geht es uns sehr gut. Wenn nicht leiden wir.

Es geht um den Konflikt zwischen der „Kooperation und Integrität“, so wie er von Jesper Juul in seinem Buch „5 Grundsteine für die Familie – Wie Erziehung funktioniert“ beschrieben wird. Der folgende Text ist der Input den ich für diesen Sonntag (19.01.2025) vorbereitet habe. Diesen Sonntag ist nämlich der Pädagogiktreff im Black Pigeon (Scharnhorststraße 50, Dortmund) ab 12 uhr, so wie jeden 1. und 3. Sonntag im Monat. Es freut mich um jedes Gesicht welches ich dort empfangen kann. :D

Also, dann fange ich nach dieser überspitzten Einleitung mal, mit einer komplett trockenen Einführung an, die nötig ist um zu verstehen worum es hier eigentlich geht.

Was ist eigentlich Integrität?

„Integrität ist die Treue zu sich selbst.“ - Wikipedia
Es heißt die äußere Realität, an das innere Wertesystem anzupassen.

Was ist Kooperation?

Die Anpassungsfähigkeit an andere Menschen und Gruppen, um einen gemeinsamen Zweck zu erfüllen.

1) Was sind Kooperation und Integrität zusammengenommen?

  • Kooperation und Integrität beschreibt also den alltäglichen Konflikt den wir alle austragen, zwischen der Anpassung an unsere Mitmenschen und der Bewahrung unserer eigenen Individualität.
  • Hierbei benennt der Autor schon ein großes Problem der allgegenwärtigen autoritären Pädagogik, die Anpassungsleistung wird primär von den sogenannten Schwächeren dieser Gesellschaft gefordert. Um ein Beispiel des Autors zu geben: „Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast, hast du auch meinen Regeln zu folgen!“
  • Um sich von diesen unterdrückerischen Verhältnissen zu befreien und gleichberechtigte Beziehungen einzugehen, in der die Anpassung von beiden Seiten kommt, braucht es Balance in der Verteilung der eigenen Anpassung und Integrität. Zugleich sind der einzige Weg zu einer guten Balance von Kooperation und Integrität qualitative Beziehungen, in denen es leicht möglich ist, diesen täglichen Konflikt immer wieder neu auszuhandeln.

2) Was macht eine qualitative Beziehung aus?

„Die Eltern vergangener Tage haben geglaubt, es sei vollkommen ausreichend, ihren Kindern bestimmte gesellschaftliche Werte und Normen zu vermitteln. Mittlerweile weiß man, dass damit nicht alles getan ist. „Inhaltlich“ werden heutzutage in Familien ganz unterschiedliche Lebensentwürfe gelebt und die Familien sind sehr zufrieden damit. Wichtiger ist jedoch, was im Psychologenjargon als „Prozess“ bezeichnet wird. Es kommt nicht so sehr darauf an, was wir machen, sondern vor allem, wie und weshalb wir es machen.“
  • Es kommt also weniger auf das Was unseres Alltags und unserer Handlung an, als vielmehr auf das Tiefgründige dahinter.
    • Was sind meine Werte und wie besitze ich Integrität in meiner Handlung?
  • Integrität in seinem Alltag zu besitzen bedarf viel Arbeit. Dafür muss mensch erstmals die eigenen Werte kennenlernen und dann unter viel Fleiß ausleben lernen.
  • Einer meiner größten Werte ist die freie Entfaltung von Persönlichkeit. Ich will der Mensch werden können der die glücklichste, freiste und ethischste Version meiner Selbst ist und ich will das bei meinen Mitmensch auch sehen und möglich machen. Also muss ich, um meinen Werten entsprechend integrer zu handeln bspw. in sozialen Interaktionen, anderen Menschen Raum lassen, damit sie sich frei ausdrücken können. Es ist also nicht so wichtig was wir gerade tun; schwimmen, einkaufen, im Pigeon beim Pädatreff sitzen, sondern vielmehr wie wir es zusammen tun.
    • Das macht qualitative Beziehungen aus, nicht das Was, sondern die eigenen Werte und wie wir diese umsetzen!
  • Zu jeder qualitativen Beziehung, egal ob auf der Arbeit, mit den Eltern, Freund*innen oder Kindern, gehört auch ein weiterer Aspekt, der Qualität überhaupt erst möglich und alles etwas schöner macht; der Sammelbegriff den wir Liebe nennen.

3) Warum ist es wichtig Liebe zu zeigen und wie geht das?

„Liebe ist wunderbar – ich liebe beispielsweise meine Frau, meinen Sohn und mein Enkelkind. Ich erlebe das in vielerlei Hinsicht und in einer reichen Palette Körperempfindungen, was für mich eine beglückende Erfahrung ist. Aber die anderen habe zunächst nichts davon, denn es handelt sich ja ausschließlich um meine Gefühle. Nur wenn es mir gelingt, diese liebevollen Gefühle in liebevolles Handeln umzusetzen, können meine Frau, mein Sohn und mein Enkel sie auch als liebevoll erleben. Erst diese Transformation macht meine Gefühle erst für die anderen Wertvoll.“ „Wir müssen unsere liebevollen Gefühle in liebevolles Handeln umsetzen, also so handeln, dass sie vom anderen als liebevoll empfunden werden.“

Doch wie zeige ich meine innere Liebe?

  • Der grundlegendste Faktor der Liebe, der oft vergessen wird, ist die Aufmerksamkeit, das bewusste lenken des eigenen Fokus auf die geliebten Menschen. Ohne diesen Fokus ist jede andere Form der Liebe gar nicht erst möglich!
  • Diese Aufmerksamkeit bezieht sich aber auch auf die eigene innere Gefühls- und Gedankenwelt. Genauso wie ich überhaupt Zeit und Fokus für die Liebe von anderen brauche, muss ich selbst erstmals mitbekommen, dass ich Liebe, in ihren vielen Ausprägungen, empfinde. Erst wenn ich meine innere Realität wahrnehme, kann ich ihr meine äußere Realität anpassen.
  • Nachdem diese ersten frei Punkte eher auf das Selbst bezogen waren, sind die nächsten drei auf das Handeln gegenüber den Anderen bezogen.
  • So wie ich selbst am besten lieben kann, wenn ich Integrität besitze, können es die Anderen auch. Integrität bewahrt mensch, wenn mensch an den richtigen Stellen „Nein“ sagt. Demnach ist es einer der liebevollsten Akte, die Integrität der Anderen zu bewahren und ein „Nein“ zu unterstützen.
  • „Nein“ und Abgrenzungen führen oft zu Konflikten. Eben der Konflikt zwischen Kooperation und Integrität. Es gilt also, paradoxer Weise, diesen Konflikt (respektvoll!) auszutragen, um füreinander da zu sein und Liebe zu beweisen. Unstimmigkeiten die lange nicht gehört werden kreieren immer wieder erneut Gefühle der Wut, Frustration und Angst, vor allem der Angst vor dem Austragen des Konflikts. Stelle dich dieser Angst so schnell es geht und löse deine Konflikte, auch wenn das Austragen dieser Konflikte weh tut. Es gilt so wie immer lieber jetzt Streit und der dadurch entstehende Schmerz, als durchgängiger Frust und am Ende kommt eh der Streit auf.
  • Es gibt eine Sache die wir alle brauchen, um motiviert zu bleiben ein Teil einer Sozialdynamik zu sein und das ist das Gefühl Wertvoll zu sein. Daraus lässt sich dann auch ganz leicht die Verhaltensweise ableiten, die wir ausleben können, um liebevoll zu handeln. Wir können Anderen eben dieses Gefühl wertgeschätzt zu werden vermitteln, indem wir uns regelmäßig bedanken, diese Menschen in soziale Dynamiken einbinden, Feedback (Gutes wie Schlechtes) teilen und indem wir ihnen zeigen, dass wir an sie denken.


Beim abschreiben des Inputs (ja ich schreibe immernoch jeden Text mit der Hand vor und tippe ihn dann ab) hatte ich einige Momente in denen ich realisiert habe, dass ich definitiv noch Schreib-Anfänger*in bin. Es flowt nicht, die Sprechweisen sind nicht gerade die Feinsten, die Sätze sind definitiv nicht alle auf den Kern runter-destilliert und die oberste Schreibregel habe ich sowieso gebrochen; ich habe Wörter benutzt dessen korrekte Bedeutung mir gar nicht so klar ist, aber sie klangen halt gut. Schauder !

Also wenn du etwas zu sagen hast zu diesem Text, entweder inhaltlich oder zu meinen hervorragenen Schreibkünsten, dann schicke mir gerne eine E-Mail hierzu. Jedes bisschen Feedback ist für mich Goldwert! Diese E-Mail geht, ohne zu übertreiben, an ganze Sechs Leute raus, also bin ich auch nicht gerade zu fame zum Antworten. Du bist aller wahrscheinlichkeit die einzige Person die jemals außer mir bis hier unten lesen wird und falls du dann noch antworten solltest, antworte ich auch, ich versprech :3

PS diese E-Mail ist entstanden als Input für den Pädagogiktreff den Anian und ich in Dortmund im Black Pigeon jeden 1. und 3. Sonntag im Monat (noch 12 uhr) leiten. Das Schönste ist mit Leuten in Person über die beschriebenen Ideen zu quatschen, also komm gerne vorbei.


PPS Nimm dir die Ideen mit die dir gefallen und lasse den Rest hier :)!

Der Anarchistische Pädagogiktreff

Hey, schön dass du diese Seite gefunden hast und Interesse zeigst an unserem kleinen Kurs. Diese Website existiert damit wir in E-Mailkontakt treten können und du die Informationen hast die du brauchst, um mal vorbeizukommen. Der Kurs startet am 01.12. und findet jeden 1. und 3. Sonntag im Monat statt. Bei jedem Treffen gibt es einen 10-30 minütigen von uns Vorbereiteten Input und folgender Q&A / Disskussionsrunde. Insgesamt geht ein Treffen 90 Minuten. Die Themenblöcke gehen von Kinderhandling-Basics (Hebammenzeugs), über Alternative Bildung (alternative Schulkonzepte), bis hin zu Montessoripädagogik. Wenn du Lust auf den Kurs und auf Austausch hast trage gerne unten deine E-Mail Adresse ein, du bekommst am Abend Bestätigungsmail wo auch nochmal alle wichtigen Infos drin stehen und gelegentlich gibt es Reminder und Updates. Bis dann :3

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Hey liebe Leutis, dass soll nur ein klitzekleiner Reminder sein, dass nächsten Sonntag der 19.01.25 um 12 Uhr der nächste Pädagogiktreff im Black Pigeon in Dortmund stattfindet. Der Input ist eine kleine Zusammenfassung von einem Buchkapitel von Jesper Juul, namens "Kooperation und Integrität." Es geht darum wie viel wir als Menschen uns an unsere Gruppen und Mitmenschen anpassen sollten und wo wir für uns selbst einstehen sollten. Das Ganze wird natürlich auch aus einer pädagogische...